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Die Angst vor dem Leben und der einfache Akt, nach innen zu schauen, der sie auslöscht

Laden Sie das eBook im pdf-Format. (Text am 20. November 2014 verbessert und aktualisiert.)

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Wo die Angst vor dem Leben herkommt

Die Angst vor dem Leben kommt zwangsläufig in uns auf, höchstwahrscheinlich in jenem Augenblick, in dem wir aus dem Mutterleib geworfen werden. Ohne Vorwarnung werden wir abrupt aufgeweckt und hinein geworfen in einen tosenden Sturm aus dem, was wir einmal Erfahrung, Gefühl, Empfinden und so weiter nennen werden. Das Bewusstsein unseres Daseins wird aus seinem tiefen Schlummer gerissen und in einen erschreckenden Ausbruch von ungestümer und unberechenbarer Bewegung hineingestürzt – Schmerz, Druck, Lärm, grelles Licht und all das Drama, das unseren Auswurf in die Welt begleitet. Was folgt, ist unausweichlich: Wir haben Angst und ziehen uns zusammen.

 

Was die Angst vor dem Leben für Folgen hat

Nachdem wir sehen, dass wir jenen ersten Ansturm roher Erfahrung überlebt haben, verziehen sich das Drama und die Angst vor dem Leben nach und nach in den Hintergrund. Für einige von uns und für die meiste Zeit schwindet sie zu einem kaum wahrnehmbaren Raunen der Beklemmung, Sorge, Unzufriedenheit und des Misstrauens gegenüber unserem Leben. Unablässig folgt es uns als der Untergrund von allem, was wir erleben. Es ist das nagende Gefühl, das Leben selbst sei das Problem am Menschsein, oder dem Leben selbst fehle etwas Wesentliches, was für unser Wohlbefinden wichtig wäre, oder es beinhalte etwas grundlegend Falsches. Es ist das Gefühl, das Leben würde niemals erfüllen, was es uns verspricht.

Dieses Raunen der Beklemmung und Unzufriedenheit wird für die meisten von uns zur grundsätzlichen, ungeprüften Annahme, die unseren Verstand formt und den Standpunkt bildet, von dem aus wir unser Leben wahrnehmen. Von diesem Standpunkt eingeschränkt und geleitet von dieser Annahme, lernen wir, uns ein Bild davon zu machen, was in unserem Leben vor sich geht, und uns diesem Bild entsprechend zu verhalten.

Darum sind wir zu dem Schluss gelangt, die Lösung für die Schwierigkeit, ein Mensch zu sein, könnten wir nur finden, indem wir in unserem Verstand ausfindig machen und zerstören, was falsch und verletzend und bedrohlich ist, und indem wir in unserem Verstand ausfindig machen und festhalten, was uns rechtschaffen und sicher und befriedigend erscheint.

Wir lernen, automatisch Widerstand zu leisten. Wir glauben, das Leben sei von Natur aus heimtückisch und gefährlich, und dies macht es erforderlich, immerfort aufzupassen und beständig nach Gefahren Ausschau zu halten und nach Möglichkeiten, diesen Gefahren zu begegnen.

Wir lernen, in unseren Beziehungen auf der Hut zu sein, stets wachsam und verschlossen, auf dass wir von ihnen nicht übertölpelt würden, oder die Gelegenheit versäumten, durch sie erlöst zu werden.

Wir lernen, die wogende, ständig wechselnde Färbung der Kraft, die den Urgrund unseres Verstandes bildet, für gefühlsmäßige Zustände zu halten, die wesentlich zu uns gehören. Wir halten jene Zustände für das Wesen unseres Lebens, von uns selbst eigentlich, und verlieren die Hoffnung.

 

Wie wir darin versagt haben, mit der Angst vor dem Leben fertig zu werden

Wir blicken auf eine lange Geschichte des Versagens zurück, in unseren Strategien des Verstehens, Festhaltens, Zerstörens und Nicht-wahrhaben-Wollens Befriedigung zu finden. Viele sind zu der Überzeugung gelangt, das Problem liege darin, dass es dieses Verstehen und all die anderen Reaktionen überhaupt gibt, und dies führt häufig zu Praktiken, die geistige Stille und innere Ruhe herbeiführen sollen. Einige kamen zu dem Schluss, die Gedanken an sich seien das Problem und sollten ein für alle Mal zum Schweigen gebracht werden. Und da sind auch noch jene, die das Auslöschen des Egos empfehlen, was das lateinische Wort für „ich“ ist, und das ist nichts anderes als der Name, den ich mir gebe.

All jene Überlebenstechniken und -strategien – Rechtschaffenheit, Widerstand, Festhalten, Gleichgültigkeit, mörderische Angriffslust und so weiter – treten aus gutem Grund zu Tage und werden aus gutem Grund von uns erwählt, zu unserer Verteidigung. Wir sind nicht gut beraten, dies zu tun, aber wir haben gute Gründe. Das Leben kann zutiefst unzuverlässig und bedrohlich erscheinen, auch wenn es uns mit falscher Hoffnung und falschem Versprechen betört.

Für die meisten von uns gibt es nur eine bewährte, ja vorgegebene und einzig wahre Antwort auf die Unzufriedenheit mit dem Leben: jene Unzufriedenheit standhaft und still zu verleugnen.

 

Wie wir versuchen, die Krankheit zu heilen, indem wir die Symptome behandeln

Schon seit Ewigkeiten versuchen wir, unser Leben in Ordnung zu bringen, indem wir unseren Verstand in Ordnung bringen; wir versuchen, den Verstand liebenswürdig, liebevoll und offenherzig zu machen, statt dass wir ihn verschlossen und bösartig machen; intelligent statt dumm, gesund statt krank, klar statt verwirrt. Aber der Verstand – sein Charakter, seine Stärken, seine Schwächen, seine Mutmaßungen, sein Standpunkt, seine Unbeständigkeit, seine Emotionen, seine Gedanken, sein Unrechthaben und sein Rechthaben – der Verstand ist nicht das Problem. Der Verstand ist nichts anderes als eine Anhäufung von Wirkungen und Folgen, von denen viele Symptome der Angst vor dem Leben sind. Da wir dies nicht sehen, ist so gut wie alles, was wir machen, um der Unzufriedenheit, die unser Leben vergiftet, Einhalt zu gebieten, auf die Auswirkungen der Unzufriedenheit gerichtet, oder anders gesagt, wir versuchen, die Krankheit zu heilen, indem wir ihre Symptome behandeln.

Und nichts davon funktioniert. Wie könnte es auch? An und für sich ist nichts daran auszusetzen, sich um die Linderung der Symptome zu bemühen, jedoch wird die Behandlung der Symptome nicht die Krankheit heilen.

Ich denke, es ist durchaus sinnvoll, die Angst vor dem Leben als Krankheit zu betrachten. Sie ist ein Leiden, das ohne Vorwarnung über uns kam, als wir geboren wurden. Ihr Vorhandensein hat rein gar nichts zu tun mit dem Wesen unseres Seins, der Klarheit unseres Bewusstseins, unserer Rechtschaffenheit, unserem Willen, unseren Ansichten und Überzeugungen, unserem Wert oder unserer Wertlosigkeit. Wir hatten über diese Krankheit nicht das Sagen, und nichts hätte getan werden können, um ihr Auftreten zu verhindern. Ihre Auswirkungen sind überall im Leben zu spüren, sie entsteht in der Vergangenheit, verdirbt die Gegenwart und ragt weit in die Zukunft hinein.

Und trotz all unserer Mühen, die Krankheit auszumerzen, indem wir ihre Symptome bekämpfen, trotz der Hingabe und der Bemühungen der Heiligen, trotz des Scharfsinns und der Einsichten, die in den Weisheitslehren zu finden sind, trotz des Aufstiegs des Kapitalismus und mit ihm des Wohlstands und der Bildung und ausreichend Zeit, diese Dinge für uns selbst zu betrachten, haben wir nicht einmal besonders viel zuwege gebracht, was die Linderung der Symptome angeht, außer dem Impuls, sie zu verleugnen und uns auf mancherlei Art gegen sie abzustumpfen. In Wahrheit lebt und stirbt die überwiegende Mehrheit von uns in einem Zustand schwelenden Elends und neurotischer Entfremdung von unserem eigenen Leben, unterbrochen von Augenblicken aus Leidenschaft und Verzweiflung, zum Schweigen gebracht nur durch den Tod.

Es überrascht nicht, dass wir versagt haben. Die ganze Zeit lang handelten wir aus einer nicht gesehenen und falschen Überzeugung heraus, nämlich jener, das Problem mit dem menschlichen Leben sei das menschliche Leben selbst. Es bedarf keiner Erleuchtung, um zu sehen, dass es hoffnungslos ist, im Leben ein sicheres Heim zu finden, solange wir in einem Strom aus Schwarzmalerei und Verzweiflung schwimmen, der dieser Überzeugung entspringt.

 

Wir können etwas gegen die Angst vor dem Leben tun

Es muss etwas geben, was wir tun können. Gewiss, einige von uns – nicht viele, aber einige –; haben im Leben anscheinend Frieden und Freiheit gefunden. Der Buddha kommt einem in den Sinn, zum Beispiel, und viele andere sind in verschiedenen Zeiten und Traditionen zu finden, von denen alle, wie es scheint, eine tiefgreifende Erfüllung und Aussöhnung mit dem menschlichen Leben erlangt haben. Und obwohl sie wahrlich erfolgreich darin waren, uns zu vermitteln, wie sich ihre Sicht der Dinge anfühlt, hatten sie wenig Erfolg darin, uns irgendeinen wirklich sinnvollen Vorschlag zu machen, was zu tun ist, der uns unmittelbar für uns selbst sehen ließe, was sie sahen.

Ich möchte dir etwas nahelegen, was du für dich tun kannst, was funktioniert. Ich weiß, dass es funktioniert, weil es für mich funktioniert hat, und weil es für Carla funktioniert hat, meine Frau, und es hat mittlerweile für eine wachsende Zahl Menschen weltweit funktioniert, Menschen, die, vielleicht sogar wider besseres Wissen, tatsächlich versucht haben, zu tun, worum ich sie bitte. Ich habe auch eine Theorie, warum es funktioniert, aber meine Gewissheit, dass es funktioniert, rührt von meiner eigenen Erfahrung her statt von einem theoretischen Verständnis, und das Warum ist im Grunde vollkommen unerheblich. Also, hier ist er, der einfache Akt, sich selbst anzuschauen, der die Angst vor dem Leben auslöscht.

 

Wenn du von ganzem Herzen versuchst, den Strahl deiner Aufmerksamkeit mit der Wirklichkeit deines Wesens in Berührung zu bringen, wirst du die Angst vor dem Leben auslöschen, welche die Hauptursache allen menschlichen Elends ist. Ich nenne diesen Akt sich selbst anschauen. Wenn du nur versuchst, mit deinem inneren Auge dich selbst anzuschauen, wird die Angstkrankheit verschwinden, und mit ihr die Wahrnehmung deines Lebens als ein Problem, das gelöst werden muss, als Bedrohung, die vernichtet werden muss, oder als Versteck irgendeines geheimen Schatzes, der dir vielleicht irgendwann Erfüllung und Befriedigung bringt. So einfach ist das.

 

Schritt eins: Lerne, den Strahl deiner Aufmerksamkeit willentlich zu beeinflussen und zu lenken

Zu Beginn entspanne dich für einen Augenblick und bemerke die offensichtliche Tatsache, dass es in deiner Macht liegt, deine Aufmerksamkeit willentlich zu lenken.

Während du weiter liest, bewege deine Aufmerksamkeit für einen Augenblick vom Text weg und richte sie auf das Gefühl deines Atems. Spüre, wie deine Brust und dein Bauch sich ausdehnen und zusammenziehen, und dann bewege deine Aufmerksamkeit wieder auf diese Textseite zurück. Tu dies einige Male, so dass du damit vertraut wirst, was ich mit „den Strahl deiner Aufmerksamkeit willentlich lenken“ meine.

Jener Akt, die Aufmerksamkeit willentlich zu steuern, wie du es eben getan hast, ist alles, wessen es bedarf, um zu tun, worum ich dich bitte. Je mehr du diesen einfachen Akt übst, desto mehr wirst du damit vertraut werden, wie es sich anfühlt, ihn zu vollziehen. Und je mehr du damit vertraut wirst, wie er sich anfühlt, desto geschickter und direkter wirst du den Strahl deiner Aufmerksamkeit dorthin lenken können, wohin er gelenkt werden muss.

 

Schritt zwei: Lenke den Strahl deiner Aufmerksamkeit nach innen

Wende diese Fähigkeit an, um den Strahl deiner Aufmerksamkeit nach innen zu lenken, und versuche, unmittelbaren Kontakt mit der Wirklichkeit deines eigenen Wesens herzustellen, womit ich dich meine, einfach nur dich.

Du weißt, was du bist, und du wirst dich gewiss erkennen, wenn du dich auf diese Weise siehst. Es ist in der Tat so einfach. Wiederhole dies, so oft es dir in den Sinn kommt.

Es gibt keinen Schritt drei.

 

Hör dir eine Tonaufzeichnung mit diesen Instruktionen an.

Lies dir noch mehr Berichte in unserem Website an.

 

Einige Tipps, wohin du schauen kannst

Der Akt, nach innen zu schauen, mag einfach sein, ihn aber wirklich zu vollziehen erscheint manchmal alles andere als leicht. Aber bedenke: Wie du dich anfühlst – dies ist das einzige, was immer hier ist. Alles andere – Gedanken, Überzeugungen, Verstehen, alles, was gesehen und gehört und gefühlt wird, Emotionen, Schmerz, Behagen, buchstäblich alles andere kommt und geht. Nach dir zu suchen, heißt daher, nach dem zu suchen, was immer hier ist. Was neu hinzugetreten ist, wie schön es auch sein mag, kann nicht du sein. Was hier war und nun gegangen ist, auch wenn es vielleicht irgendwann wiederkommt, kann ebenfalls nicht du sein.

Du bist das schlichte und sich nie bewegende Feld, in dem alles andere kommt und geht. Du hast dir nichts zu geben oder wegzunehmen, daher bist du in den Augen des Verstandes hochgradig uninteressant, der keinen anderen Zweck erfüllt, als wachsam zu bleiben, als unablässig Ausschau zu halten nach Dingen, die festzuhalten sind, nach Dingen, die abzulehnen und zu zerstören sind, und nach Dingen, die man inmitten der hell leuchtenden, glitzernden, stetig wogenden, fantastisch faszinierenden Parade der Erscheinungen gefahrlos außer Acht lassen kann.

Die Angst vor dem Leben ist eine Art Autoimmunkrankheit. Ihre einzige Aufgabe, so irrsinnig sie auch sein mag, besteht darin, dich vor deinem eigenen Leben zu schützen, und diese Mission erfordert ein unaufhörliches Achtgeben auf eintreffende Erscheinungen. Darum ist unsere Aufmerksamkeit, dieses Achtgeben, stets nach außen gerichtet. Du hingegen bist ganz und gar innerlich (mehr dazu später).

Im Folgenden schlage ich dir einige Methoden vor, die manche in ihrem Bestreben, sich selbst anzuschauen, als hilfreich empfunden haben:

Es gibt wahrscheinlich mehr Tipps dieser Art, die jene, die diesen Weg gegangen sind, mit uns teilen können, aber sie sind alle, wie das Sprichwort sagt, lediglich Finger, die auf den Mond zeigen, und der Mond, auf den sie zeigen, bist du. Am Ende musst du es für dich selbst tun. Schließlich bist du es, den du mit dem Strahl deiner Aufmerksamkeit zu berühren versuchst, und niemand kann wissen, wie du dich anfühlst, außer dir.

 

Auf deine Einstellung und deine Erwartungen kommt es nicht an

Möglicherweise wirst du nie eine tatsächliche, als solche erkennbare Erfahrung haben, die dir bestätigen könnte, dass du erfolgreich warst; wie ich bereits sagte, du bist in den Augen des Verstandes nicht sehr interessant, und der Kontakt mit der Wirklichkeit deines Wesens wird so flüchtig sein – eine zehntel Sekunde oder weniger – dass du womöglich nie erfährst, dass er stattgefunden hat. Hier kommt die gute Nachricht: Es spielt keine Rolle. In Anbetracht der gemeinsamen Erfahrung von mittlerweile vielen erscheint es unbestreitbar, dass eine ernste Bemühung nicht scheitern kann, wie stark das Gefühl des Scheiterns auch sein mag. Schließlich versuchen wir nicht, dies zu tun, um herauszufinden, wer wir sind, oder um zu verstehen, was wir sind, oder um uns in unserem wahren Wesen aufzulösen und zu werden, was wir sind, oder Ähnliches. Wir tun dies nur, um die Krankheit der Angst vor dem Leben mit der Medizin des Nach-innen-Schauens zu heilen.

Dieser Akt erfordert nur eines: die Absicht, unsere Aufmerksamkeit nach innen zu lenken, um zu versuchen, die unmittelbare Erfahrung der Wirklichkeit unseres Wesens zu erlangen. Es spielt keine Rolle, ob jene Absicht in uns aufkommt und ihr mit Widerwillen oder Angst oder Ablehnung begegnet wird. Wenn die Absicht in uns aufkommt, geschieht das Schauen von allein, und ist es einmal geschehen, steht das Ende fest.

Ein weiterer interessanter Aspekt dieser Arbeit besteht darin, dass weder deine Einstellung noch deine Erwartungen irgendeinen Einfluss auf das Endergebnis zu haben scheinen. Die Absicht, sich selbst anzuschauen, kann aus beliebigem Grund in uns wachgerufen werden. Vielleicht beschließt du, dich selbst anzuschauen, weil du glücklich sein willst, oder weil du die Welt retten willst, oder weil du frei von Schmerzen sein willst. Oder vielleicht denkst du, dass du beim Schauen nicht mit hundertprozentiger Entschlossenheit vorgingest, und fragst sich darum, ob es funktionieren wird. Nichts von alledem spielt eine Rolle. Das einzige, worauf es ankommt, sind die Augenblicke, in denen du dich selbst anschaust. Das Schauen verrichtet die Arbeit, unabhängig davon, was du darüber denkst oder was du davon erwartest.

Nach innen zu schauen, ist keineswegs Selbstzweck, es ist nur das Mittel, um von jener Krankheit frei zu sein. Wenn seine Arbeit getan ist, sage ich voraus, dass du mit deinem Leben so beschäftigt sein wirst, dass es dir Mühe bereiten wird, dich zu erinnern, worum es in dem ganzen Drama ging, das dich überhaupt erst zum Nach-innen-Schauen gebracht hatte.

 

Wie die Genesung verläuft, ist ungewiss, aber dein Erfolg ist garantiert

Wie die Genesung von der Krankheit der Angst vor dem Leben verläuft, ist nicht vorhersehbar. Für einige klärt sich alles recht schnell mit wenig innerer Qual; für andere kann die Genesung ziemlich schmerzhaft verlaufen und sich lange hinziehen. Meine eigene Genesung war ausgesprochen unangenehm. Ich brauchte ungefähr ein Jahr, um zu bemerken, dass das Fieber der Unzufriedenheit abzuklingen begann. Weitere fünf Jahre vergingen, bevor mir zum ersten Mal auffiel, wie grundlegend anders und leicht meine Beziehung zum Leben schon geworden war, und mehr als zwölf Jahre, bevor ich in der Lage war, über das, was ich gefunden hatte, in vernünftigen Worten zu sprechen.

Wie lange es dauern wird, und wie schwierig es dir erscheinen wird, ist darum ungewiss. Aber wenn du dich nur selbst anschaust, steht das Ende fest. Du wirst das Gefühl verlieren, das Leben hätte es auf dich abgesehen, und du säßest hier in einer Falle. Du wirst das Bedürfnis verlieren, dich vor den Gedanken zu schützen, vor den Gefühlen, den Meinungen, den Empfindungen, und allem anderen, was in dir kommt und geht und dein sich ständig veränderndes Leben eigentlich ausmacht. Du wirst einmal sehen, dass die Dinge, die in dir kommen und gehen, höchst interessant sind, auf eine Art, wie du es dir nicht hast vorstellen können, als deine Sicht verdunkelt war von Angst.

Am Ende wirst du dich ganz in deinem Leben versunken wiederfinden – wie du es immer gewesen bist. Nun aber wirst du bezaubert und begeistert sein, belebt und genährt davon, wie sich das Leben entfaltet. Du wirst erkennen, dass dein Leben die Erfüllung und Befriedigung ist, die du woanders gesucht hast. Du wirst gesund werden.

 

Ins Deutsche übertragen von Franz Felix Müller, Nancy Margalit und Marko Zivadinovic

Laden Sie das eBook im pdf-Format. Text am 20. November 2014 verbessert und aktualisiert.